2006, „Farben des Lichts“, Katalog, Dr. Alfred Kren

 
Wenn die Konvention besonders stark ist, braucht man wie ein Rebstock lange Wurzeln, um der fertigen Frucht noch eine eigene Wendung hinzuzufügen. Nur so ist es zu erklären, daß Gerdi Gutperle einem Genre wie dem Stilleben, und hier in der Form des Blumenstillebens, eine ihr eigene Form hinzufügen konnte. Gutperles Landschaften sind auf ähnliche Weise entstanden und schufen dabei immer mehr imaginären Raum, in den die Malerin eigene Visionen und Wunschvorstellungen einfügen konnte. Dem natürlichen Bedürfnis nach Harmonie und Ausgewogenheit widersprechend toben sich in den immer abstrakter werdenden Bildern innere Konflikte und Sehnsüchte aus. Hierbei kommt es zu Bildern wie »Verbindung « und »Meeting«, denen man die figurativen Elemente nur mehr schemenhaft ansieht. Wie in einem Röntgenbild sind ursprüngliche Formen noch in zeichnerischer Reinheit auszumachen und verschwinden doch gänzlich in aufgewirbelter Malmasse aus Farbe und Pigment. In einem Bild wie »Spirit of Angkor« erinnert nichts an den Anklang von Terror, den nächsten Schritt in unbekanntes Terrain zu wagen, dem Nichts zu begegnen und nicht umzukehren, sich malerisch zu verwirklichen und ein neues Wesen in die Welt zu setzen. Das macht den Mut des Künstlers aus und mit solch einem Mut ist Gerdi Gutperle ausgestattet, die sich dem Schöpfungsstrom aussetzt. Sich mitreißen zu lassen in die Tiefen und Höhen dieses Stroms definiert schon die teils heftigen Ausschläge des malerischen Oeuvres von Gerdi Gutperle.


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