2009, „Zwiesprache. Auf den Spuren der Natur“,
Dr. Christina Knapp

 
Die Installation „Lichterwald“ ist ein Meilenstein in der künstlerischen Entwicklung von Gerdi Gutperle, sowohl was die Qualität als auch die Quantität plastischen Arbeitens der Künstlerin betrifft.

Jedes Element der Gedankenkette Baum-Wald-Licht-Lichtung ist mit unzähligen Sinngebungen ausgestattet und steht in einem großen mythologischen Zusammenhang. Wald - das bedeutete durch Jahrtausende für den Menschen Heimstatt und zugleich Bedrohung, Hort der Götter und Fabelwesen, Ort der Ruhe, der Meditation und Kraftfeld, Ort der Reinigung des Körpers und der Seele.

Gerdi Gutperle baut ihre Installation aus einer Grundform auf, die wiederum mehrdeutig ist. Ihre strengen, geraden Baumstämme tragen in sich das Bild einer Säule, erinnern daran, dass Bäume das Vorbild für die Säulen der Tempel darstellen und somit auch in einem spirituellen Kontext gesehen werden müssen. Die Künstlerin hat jedoch bei dem Heranzoomen des Tempelbildes zugleich wieder eine Brechung installiert, in dem die kunstvoll gearbeitete Außenhaut der Baumskulpturen den individuellen Reichtum vegetativer Formen betont.

Natürlich lässt die reduzierte, auf den Punkt gebrachte Form, kontrastierend mit der reichen individuellen Hülle aus einfachem Material, hier Papier aus der Rinde des Maulbeerbaumes, sofort auch an ostasiatische Kunst denken.